Wie kann Forschung dazu beitragen, Schule nachhaltig zu verändern? Und wie lässt sich wissenschaftliche Evidenz so in die Praxis übertragen, dass daraus konkrete Entwicklungsprozesse an Schulen entstehen? Diese Fragen standen für fünf Mitglieder des LemaS-Transfer-Forschungsverbundes im Mittelpunkt der 20th Conference des European Council for High Ability (ECHA), die vom 12. bis 15.August 2026 an der Dublin City University stattfand. Unter dem Motto „Advancing Excellence: Rethinking Gifted Education“ kamen dort internationale Expert:innen aus Wissenschaft und Bildungspraxis sowie Eltern und Interessenvertreter:innen zusammen, um sich zur Begabungs- und Talentförderung auszutauschen.
Mit Prof. Dr. Christian Fischer, Janina Lenhart, Silvia Wördemann, Ricarda Albrecht und Jennifer Kim Golanova war auch der Forschungsverbund auf der internationalen Konferenz vertreten.
Forschung zu Wissenstransfer und Professionalisierung
Ricarda Albrecht und Jennifer Kim Golanova von der Humboldt-Universität zu Berlin präsentierten mit ihrem Beitrag „From Network to Classroom: Enablers and Barriers of Talent-Promoting Knowledge Transfer in a Germany-Wide Project“ aktuelle Ergebnisse aus der gemeinsamen Forschung mit Dr. Carolina Claus. Im Fokus standen jene Bedingungen, die den Wissenstransfer aus Netzwerken in die Unterrichtspraxis unterstützen – und die Frage danach, wo dabei Herausforderungen liegen.
Silvia Wördemann und Janina Lenhart von der Universität Münster legten in ihrem in Zusammenarbeit mit Nele Spillner und Prof. Dr. Marcus Nührenbörger entstandenen Beitrag „How PD Facilitators Conceptualise Adaptive Learning Environments for Mathematical Talent Development“ den Fokus auf die Gestaltung adaptiver Lernumgebungen für die mathematische Talentförderung. Auf Grundlage von Interviews mit elf Multiplikator:innen aus dem LemaS-Team Mathematik Primarstufe zeigten sie, wie Lehrpersonen adaptive Lernumgebungen für eine begabungsfördernde Gestaltung des regulären Mathematikunterrichts für alle Kinder konzeptualisieren.
Prof. Dr. Fischer stellte mit seinem Beitrag „Professionalising teachers for self-regulated learning: Qualitative und quantitative findings from the Germany-wide funding initiative LemaS“ Ergebnisse aus dem LemaS-Projekt diagnosebasiertes individualisiertes Fordern und Fördern (diFF) vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Lehrpersonen adaptive Formate des selbstregulierten und forschenden Lernens umsetzen und langfristig an ihrer Schule verankern können. Die vorgestellten Ergebnisse basieren auf der gemeinsamen Forschung von Prof. Dr. Christian Fischer, Dr. Christiane Fischer-Ontrup, Dr. Pia Gausling, Steffen Janke und Dr. Iris Morgenstern und zeigen exemplarisch, wie Forschung und Transfer ineinander greifen: In der ersten Förderphase arbeiteten 32 Schulen an der Entwicklung und Erprobung des Ansatzes. In der anschließenden Transferphase wurde das Konzept auf rund 300 Schulen ausgeweitet. Qualitative Interviews mit den beteiligten Schulvertreter:innen lieferten dabei wichtige Hinweise auf zentrale Gelingensbedingungen. Diese Erkenntnisse flossen unmittelbar in die Gestaltung der Transferphase ein.
Damit wird ein Grundprinzip von LemaS sichtbar: Transfer wird nicht als bloße Weitergabe fertiger Konzepte verstanden, sondern als wissenschaftlich begleiteter Entwicklungsprozess, in dem Erfahrungen aus der Schulpraxis wiederum Forschung und Weiterentwicklung bereichern.
LemaS als Wissenschafts-Praxis-Brücke
Mit dem gemeinsam mit Prof. Dr. Gabriele Weigand entstandenen Beitrag „Gifted Education and Talent Development in LemaS: ‘Promoting Excellence in School Education’ Towards a Transformative Learning and School Design“, nahm Prof. Dr. Fischer die Initiative als deutschlandweite Forschungs- und Schulpraxispartnerschaft in den Blick. Im Zentrum stand die Frage, wie eine begabungs- und potenzialorientierte Schulentwicklung gestaltet werden kann, die nachhaltig auf Lern- und Schulkultur wirkt. LemaS verbindet dafür Unterrichtsentwicklung mit Schulentwicklungsprozessen und der Zusammenarbeit in Schulnetzwerken und orientiert sich am Schulischen Enrichment-Modell (SEM), das von den LemaS-Kooperationspartner:innen Joseph Renzulli und Sally Reis von der University of Conneticut entwickelt wurde.
Internationale Vernetzung für neue Impulse
Die Beiträge auf der ECHA Conference machten deutlich: Nachhaltige Schulentwicklung lebt von Vernetzung, gemeinsamer Reflexion und dem Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Erfahrungen aus LemaS zeigen: Transfer entsteht dort, wo wissenschaftliche Evidenz, professionelle Entwicklung und praktische Erfahrung zusammenkommen.
Wir danken den Organisator:innen der 20th European Council für High Ability (ECHA) Conference sowie allen beteiligten Kolleg:innen für den fachlichen Austausch und die bereichernden Impulse.
