Begabungsförderung verankern, Zukunft gestalten: LemaS-Jahrestagung 2026 bringt Wissenschaft, Praxis und Bildungspolitik zusammen
Mit rund 500 Teilnehmenden ist die LemaS-Jahrestagung die größte vom Forschungsverbund LemaS-Transfer ausgerichtete Veranstaltung im Jahr 2026. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Schulen und Landesinstituten aller 16 Bundesländer, Vertreterinnen und Vertreter aus Bildungspolitik und Bildungsadministration sowie Wissenschaftler:innen des Forschungsverbundes LemaS-Transfer diskutierten an der Berliner Humboldt Universität unter dem Tagungsmotto „Begabungsförderung verankern, Zukunft gestalten“ wie Konzepte, Materialien und Erfahrungen aus LemaS dauerhaft in Schule und Unterricht dauerhaft etabliert werden können.
Potenziale erkennen, Bildungsgerechtigkeit stärken
Welche Veränderungen hat LemaS bewirkt und wie gelingt es, Begabungs- und Leistungsförderung nachhaltig in der Schullandschaft zu verankern? Diese Fragen standen auch im Zentrum der Podiumsdiskussion mit Bundesbildungsministerin Karin Prien, der Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Katharina Günther-Wünsch sowie dem Schulleiter Christof Haering (Landfermann-Gymnasium Duisburg), der Schülerin Maite Beecken (Käthe-Kollwitz-Gymansium Berlin) sowie Prof. Dr. Gabriele Weigand und Prof. Dr. Christian Fischer vom Forschungsverbund.
Bundesbildungsministerin Karin Prien betonte den einmaligen Ansatz und die durch LemaS angestoßenen Veränderungen:
„Das Besondere an LemaS ist eben, dass es auf die Potenziale von Kindern und Jugendlichen schaut und zwar ganz egal welche Schulart und da wirklich auch eine Veränderung im Denken im gesamten Schulsystem hervorgebracht hat.“
Auch Bildungsgerechtigkeit und die systematische Erkennung von Potenzialen spielten eine zentrale Rolle. Katharina Günther-Wünsch hob hervor, dass LemaS auch Kinder in den Blick nehme, die weniger Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld erhalten und drückte ihre Freude darüber aus: „dass man mit LemaS eine Systematik gefunden hat, die Kinder zu identifizieren, die von Hause aus nicht so viel Support haben, wo sozioökonomische Voraussetzungen, Kontextdaten nicht so einfach sind“.
Prof. Dr. Gabriele Weigand und Prof. Dr. Christian Fischer machten zugleich deutlich: Nachhaltige Veränderung ist eine gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft, Schulpraxis, Bildungsadministration und Bildungspolitik. Obgleich bereits wichtige Fortschritte erreicht worden seien, gelte es, die Ansätze zukünftig noch stärker in die Breite der Schullandschaft zu tragen. Grundlage dafür sei ein gemeinsames Verständnis von Begabung, das die Potenziale aller Kinder und Jugendlichen in den Blick nehme und Breitenförderung und Spitzenförderung im Sinne einer umfassenden Bildungsgerechtigkeit miteinander verbinde. Die bisherigen Erfahrungen und Daten zeigten, dass dieser Ansatz bei den Schulen auf breite Zustimmung stößt.
Welche Bedeutung es für Lernende hat, wenn die Schulkultur Begabung und Leistung im Sinne von LemaS lebt, brachte Schülerin Maite Beecken auf den Punkt: „Leistung wird zwar von Schülern erwartet, aber vor allen Dingen auch zugetraut. Alle haben Potenzial, alle haben Begabungen und jeder kriegt da irgendwie das passende Angebot. Dabei ist es wichtig, Begabung als Ressource zu verstehen und den Schülern Freiräume zu lassen, auch selber Dinge zu entdecken und selber Sachen zu tun.“
Auftakt mit Blick auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
Den Auftakt der Jahrestagung gestaltete Prof. Dr. Nina Kolleck, Bildungsforscherin und Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. In ihrer Keynote beleuchtete sie den Einfluss sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche und zeigte auf, welche Bedeutung Medien- und Demokratiebildung für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien haben. Damit richtete sich der Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und deren Bedeutung für Bildung, Schule und die pädagogische Begleitung junger Menschen.
LemaS im Tandem
In parallelen Vorträgen wurden die Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis zur potenzialorientierten Schul- und Unterrichtsentwicklung in LemaS-Transfer vereint. Im Fokus standen unterschiedliche Facetten der Begabungsförderung – von sprachästhetischer Förderung und selbstreguliertem forschenden Lernen über Wissenschaft-Praxis-Kooperationen bis hin zu Fragen von nachhaltiger Schulentwicklung, Partizipation und Teacher Leadership. Die Vorträge boten damit Einblicke in erfolgreiche Entwicklungsprozesse von LemaS-Schulen, stellten praxiserprobte Konzepte und Erfahrungen aus LemaS-Transfer vor und luden dazu ein, Impulse für die eigene Schul- und Unterrichtsentwicklung mitzunehmen.
Workshops, Materialien und Praxis im Mittelpunkt
Zudem boten Vorträge, Workshops und ein Markt der Möglichkeiten den Teilnehmenden vielfältige Angebote rund um das Tagungsmotto. Das Themenspektrum reichte dabei von Lesson Study, Mentoring, diagnosebasiertem individuellen Fordern und Fördern und digitalen Unterstützungsformaten bis zu Mathematik, Informatik, Chemie, Biologie, Deutsch und Englisch. Im Fokus standen sowohl die Weiterentwicklung von Materialien und Konzepten, als auch die Arbeit in Schulnetzwerken sowie Fragen der Potenzialdiagnostik, individuelle Lernbegleitung, datengestützte Schulentwicklung, Teacher Leadership, Schulnetzwerkarbeit sowie psychisches Wohlbefinden und Zukunftslernen.
Die Jahrestagung machte damit sichtbar, worauf es in der aktuellen LemaS-Transferphase ankommt: Wissenschaft, Praxis, Bildungsadministration und -politik weiter zusammen zu bringen, bestehende Netzwerke zu stärken und vielfältige Expertisen zu bündeln, um gemeinsam tragfähige Wege für eine nachhaltige Verankerung von Begabungs- und Leistungsförderung zu entwickeln.
