LemaS-Transfer auf dem Schweizer Begabungs-Kongress 2026: Forschung, Praxis und Perspektiven für eine potenzialorientierte Bildung
Unter dem Titel „Werte, Potenziale und Zukunftskompetenzen – Begabungsförderung im Wandel“ diskutierten Wissenschaftler:innen, Lehrpersonen, Förderfachkräfte und Bildungsverantwortliche beim Schweizer Kongress zur Begabungs- und Begabtenförderung, der vom 3. bis 5. September 2026 in Muttenz stattfand, Fragen rund um individuelle Förderung, inklusive Lernräume und Kompetenzen für die Zukunft. Auch der LemaS-Forschungsverbund war mit 13 Vertreter:innen dabei.
In sechs Themenpfaden bündelte der Kongress zentrale Bereiche einer zukunftsorientierten Begabungs- und Begabtenförderung: von der Erkennung und Entwicklung individueller Potenziale über die Bildung von Selbstwirksamkeit und Wohlbefinden, innovative Bildungslandschaften und Future Skills bis hin zu Künstlicher Intelligenz, Neurodiversität und professioneller Zusammenarbeit. Damit griffen die Themen Fragen auf, die auch die LemaS-Forschung und -Praxis leiten: Wie können Potenziale aller Schüler:innen sichtbar und entwickelbar werden? Wie lässt sich Begabungsförderung nachhaltig im Unterricht und in der Schule verankern? Und wie können Wissenschaft und Praxis gemeinsam tragfähige Lösungen für eine potenzialorientierte Bildung entwickeln?
Der Blick richtete sich dabei nicht nur auf theoretische Konzepte: In Workshops und Symposien wurden konkrete Unterrichtsentwicklungsprojekte und Begabungsprogramme vorgestellt, diskutiert und gemeinsam reflektiert.
LemaS mit zahlreichen Beiträgen vertreten
Mit zahlreichen Beiträgen war auch der LemaS-Forschungsverbund auf dem Kongress vertreten und brachte Perspektiven aus Forschung, Schul- und Unterrichtsentwicklung in die Diskussion ein. Die Beteiligten präsentierten aktuelle Befunde, stellten Konzepte vor und zeigten, wie wissenschaftliche Erkenntnisse für die Gestaltung von Schule und Unterricht fruchtbar gemacht werden können.
Jenny Winterscheid, Dr. Andreas Terfloth und Prof. Dr. Silvia Greiten erläuterten, wie sprachliche Begabungen im Unterricht gezielt aufgegriffen und gefördert werden können. Im Mittelpunkt standen zentrale Perspektiven auf sprachliche Begabung sowie zwei Domänen der sprachlichen Begabungsförderung. Anhand konkreter Materialien und Impulse wurde deutlich, wie sich die vorgestellten Konzepte praxisnah in den Unterricht übertragen lassen.
Dr. Mirjam Maier-Röseler beleuchtete gemeinsam mit Dr. Niels Anderegg und Jasmin Kolb, wie eine begabungsfördernde Schulkultur im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur:innen nachhaltig entwickelt werden kann. Im Fokus stand die Frage, welche Rollen und Kompetenzen innerhalb eines Kollegiums den Wandel in Schule konkret voranbringen. Auf Grundlage von Forschung an LISSA-Preisträgerschulen in der Schweiz und LemaS-Schulen in Deutschland zeigte der Vortrag: Begabungsförderung wird dann nachhaltig, wenn Verantwortung geteilt und Zukunft gemeinsam gestaltet wird. In zwei anschließenden Workshops wurden die Forschungsergebnisse gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert und auf die eigene schulische Praxis übertragen.
Britta Freitag-Hild präsentierte in ihrem Workshop, wie fachbezogene Begabungsförderung im literarischen Schreiben in Deutsch und Englisch konkret umgesetzt werden kann.
Im Mittelpunkt stand die Verbindung von imitativ-variierendem Schreiben und komplexen Aufgaben, durch die individuelle Begabungen und Talente sichtbar werden. So wurde deutlich, wie natürliche Differenzierung dazu beitragen kann, unterschiedliche Potenziale gezielt aufzugreifen und weiterzuentwickeln.
Drei Symposien, ein gemeinsames Anliegen: Potenziale fördern
Auch das diagnosebasierte individualisierte Fordern und Fördern (diFF) war mit einem eigenen Symposium vertreten. Steffen Jahnke, Katharina Fellhölter, Dr. Pia Gausling und Dr. Iris Morgenstern präsentiert erste Ergebnisse aus dem deutschlandweiten diFF-Projekt mit drei zentralen Perspektiven: auf die Bedeutung und Umsetzung der diFF-Kernelemente, auf die Wirksamkeit der Professionalisierungsformate sowie auf die Lernbegleitung durch interaktionales Scaffolding. Damit rückte das Symposium die Frage in den Fokus, wie selbstreguliertes und forschendes Lernen nachhaltig in Schule und Unterricht verankert werden kann.
Wie Begabungsförderung dazu beitragen kann, Schüler:innen fit für eine sich wandelnde Zukunft zu machen, stand im Mittelpunkt eines weiteren Symposiums. Prof. Dr. Christian Fischer stellte vor, wie innovative Lernarchitekturen selbstreguliertes und transformatives Lernen verbinden und dabei Verantwortungsübernahme sowie gemeinwohlorientiertes Engagement stärken.
Dr. Christiane Fischer-Ontrup, Daniel Griese und Eva Schönweitz zeigten mit dem „Bewegten Selbststeuerungstraining BeSt!“, wie Bewegung, Spiel und kognitive Trainingsansätze zusammenwirken können. Ziel des Projekts ist es, exekutive Funktionen zu fördern und Schüler:innen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Potenziale besser auszuschöpfen.
Wie dialogisches Lernen und neue Rollenverständnisse von Lehrpersonen und Schüler:innen aussehen können, beleuchteten Christoph Busch und Carly Abbenhaus am Beispiel von „GEMM for Future“. Im Mittelpunkt standen dabei Erfahrungen aus gemeinsam durchgeführten Zukunftswerkstätten an einer Gesamtschule.
Mit kurzen Inputs zu relevanten Aspekten einer inklusiven Begabungs- und Begabtenförderung setzten sich Prof. Dr. Christoph Perleth, Prof. Dr. Christian Fischer und Prof. Dr. Käpnick in einem dritten Symposium mit dem Fokus auf „Inklusive Begabungs- und Begabtenförderung für eine zukunftsfähige Schule“ auseinander.
Christoph Perleth nahm die Rolle der traditionellen, extracurricularen Begabungsförderung in den Blick und diskutierte, ob diese angesichts einer inklusiven Potenzialförderung im Regelunterricht neu gedacht werden müsse. Christian Fischer gab Impulse aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive und richtete den Blick auf die Gestaltung von Schule und Unterricht, in denen die Begabungen aller Schüler:innen berücksichtigt und gefördert werden. Friedhelm Käpnick zeigte anhand der Mathematikdidaktik, welche Chancen offene und komplexe Aufgabenformate mit unterschiedlichen Differenzierungsmöglichkeiten für die Begabungsförderung im Regelunterricht boten. Die Impulse bildeten die Grundlage für einen offenen Austausch mit den Teilnehmenden.
Mit allen Beiträgen wurde zugleich ein Anliegen sichtbar, das auch die Arbeit von LemaS prägt: Begabungsförderung sollte nicht auf zusätzliche oder separate Förderangebote begrenzt, sondern im regulären Unterricht und in der Schulentwicklung verankert werden. Dafür braucht es Lernarrangements, die unterschiedliche Interessen, Stärken und Entwicklungspotenziale berücksichtigen und allen Schüler:innen Möglichkeiten eröffnen, ihre individuellen Stärken weiterzuentwickeln.
Begabungsförderung als Zukunftsaufgabe
Die zahlreichen Beiträge machten deutlich, wie vielfältig die Fragen sind, die mit Begabungsförderung verbunden sind: von konkreter Unterrichtsgestaltung bis zu übergreifenden Fragen von Individualisierung, Teilhabe und Schulentwicklung. Der Kongress war damit auch für LemaS ein wichtiger Ort des Austauschs – über aktuelle Forschung, gute Praxis und die gemeinsame Frage, wie Potenzialförderung nachhaltig in Schule und Unterricht verankert werden kann.
- Pia Gausling, Iris Morgenstern, Katharina Fellhölter und Steffen Jahnke beim Schweizer Begabungskongress
- Christoph Busch, Carly Abbenhaus und Christian Fischer beim Schweizer Begabungskongress
- Begrüßungsveranstaltung des Schweizer Begabungskongress 2026
- Universitätsgebäude des Campus Muttenz Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW




