LemaS-Prinzipien
Die LemaS-Prinzipien bilden den pädagogisch-didaktischen Orientierungsrahmen für eine potenzialorientierte sowie begabungs- und leistungsfördernde Unterrichtsentwicklung im Forschungsverbund LemaS-Transfer. Sie unterstützen Lehrpersonen, Fachgruppen und Multiplikator:innen dabei, Unterricht und außerunterrichtliche Lernangebote so zu gestalten, dass die Potenziale aller Schülerinnen und Schüler erkannt, begleitet und weiterentwickelt werden. Die Prinzipien sind evidenzbasiert und verbinden Erkenntnisse der Begabungsforschung, der Personorientierung sowie der empirischen Unterrichtsforschung.
Im Unterschied zum Schulentwicklungsleitfaden SELF, der die Schulentwicklung in ihrer Gesamtheit unterstützt, richten sich die LemaS-Prinzipien auf die konkrete Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen. Beide Ansätze ergänzen sich: SELF schafft die strukturellen Voraussetzungen und ist handlungsleitend auf Schulebene, die LemaS-Prinzipien machen Begabungsförderung im Unterricht handlungsleitend und konkret.

Die fünf LemaS-Prinzipien
- Diagnosebasiert fördern, förderorientiert diagnostizieren
Diagnostik und Förderung werden als zusammenhängender Prozess verstanden. Ziel ist es, individuelle Potenziale, Interessen und Entwicklungsstände kontinuierlich sichtbar zu machen und auf dieser Grundlage passgenaue Lernangebote zu gestalten. Dabei stehen Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. - Lernumgebungen adaptiv gestalten
Lernumgebungen werden so gestaltet, dass sie unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Interessen und Begabungen berücksichtigen. Offene Aufgabenformate, Wahlmöglichkeiten und natürliche Differenzierung eröffnen individuelle Lernwege und fördern aktives, selbstverantwortliches Lernen. - Lern- und Entwicklungsprozesse individuell begleiten
Lehrpersonen begleiten Schülerinnen und Schüler als Lernbegleiter:innen. Regelmäßiges Feedback, Reflexion sowie die Förderung von Selbstregulation unterstützen sowohl die fachliche als auch die persönliche Entwicklung. - Lehr- und Lernpraxis professionsorientiert reflektieren und gestalten
Unterrichtsentwicklung wird als gemeinsamer, forschender Prozess verstanden. Lehrpersonen reflektieren ihre Unterrichtspraxis theoriegeleitet, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln ihren Unterricht kontinuierlich weiter. - Schule und Unterrichtskultur kollegial entwickeln
Potenzialförderung gelingt nachhaltig durch Zusammenarbeit. Kollegiale Kooperation, gemeinsame Unterrichtsentwicklung und der Austausch in professionellen Lerngemeinschaften stärken eine begabungs- und leistungsfördernde Schul- und Unterrichtskultur.
Bedeutung für LemaS-Transfer
Die fünf LemaS-Prinzipien bilden die Grundlage für die Entwicklung, Anwendung und Weiterentwicklung der LemaS-P³rodukte (Strategien, Konzepte, Maßnahmen und Materialien). Sie sind dabei nicht als starres Regelwerk zu verstehen, sondern als flexible Leitideen, die an unterschiedliche Fächer, Schulformen und schulische Kontexte angepasst werden können. Gemeinsam unterstützen sie die nachhaltige Weiterentwicklung einer potenzialorientierten sowie begabungs- und leistungsfördernden Schul- und Unterrichtsentwicklung.
Weiterführende Literatur
Schwanewedel, J., Fischer, C., Mayer, J., Nührenbörger, M. & Weigand, G. (2026). Die LemaS-Prinzipien. Fundament potenzialorientierter und begabungsförderlicher Unterrichtsentwicklung. In C. Fischer, J. Lenhart, J. Mayer, C. Mempel, M. Nührenbörger, J. Schwanewedel, I. Stangen & N. von Wieding (Hrsg.), Transfer, Professionalisierung und Unterrichtsgestaltung. Einblicke in (über-) fachliche Konzepte und Prinzipien in LemaS-Transfer (S. 40-55). Waxmann.
