Gemeinsam Potenziale entfalten – 25 Jahre ICBF und 20 Jahre lif zwischen Forschung, Praxis und Zukunftsauftrag

Seit einem Vierteljahrhundert steht das Internationale Centrum für Begabungsforschung (ICBF) für evidenzbasierte Begabungsforschung und Talententwicklung mit klarem Transferanspruch. Unter dem Vorstandsvorsitzenden des ICBF, Prof. Dr. Christian Fischer, hat sich das ICBF zu einem bundesweit und international vernetzten Akteur entwickelt, der wissenschaftliche Erkenntnisse in enger Kooperation mit dem Landeskompetenzzentrum für individuelle Förderung (lif) konsequent mit in Schulen umgesetzter Begabungsförderung und Potenzialentwicklung verbindet.

25 Jahre Begabungsforschung – Wissenschaft mit Wirkung

Am 20. und 21. Februar 2026 wurde dieses 25-jährige bzw. 20-jährige Jubiläum in Münster gefeiert – allerdings nicht nur mit Rückblicken. Vielmehr entstand ein lebendiger Austausch zwischen Lehrkräften, Schulleitungen, Wissenschaftler:innen und Vertreter:innen der Bildungspolitik und Bildungsadministration, in dem gemeinsam über die Zukunft einer stärkenorientierten und zukunftsfähigen Bildungslandschaft diskutiert wurde.

Christian Fischer und Christiane Fischer-Ontrup verbinden als Leitung & Geschäftsführung des ICBF seit seiner Gründung wissenschaftliche Fundierung mit systematischem Transfer in die Praxis. Zahlreiche Mitarbeitende engagieren sich im Forschungsverbund Leistung macht Schule (LemaS) – in der Projektkoordination, in der Begleitforschung sowie in der Professionalisierung schulischer Akteure. Im Rahmen des diFF-Projekts (diagnosebasiertes, individualisiertes Fordern und Fördern) unterstützen Teams aus dem ICBF bundesweit und dem lif vor allem in NRW Lehrkräfte und Schulleitungen durch Fortbildungsangebote, Beratung, Netzwerkarbeit und Begleitforschung. Die leitende Überzeugung: Schulentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Nachhaltige Potenzialförderung entsteht nicht durch Einzelinitiativen, sondern durch systematische Kooperation – innerhalb von Kollegien ebenso wie zwischen Schulen, Wissenschaft und Bildungspolitik.

Systemische Potenzialentwicklung – internationale Impulse für deutsche Schulen

Nach der Begrüßung durch den Rektor der Universität Münster Prof. Dr. Johannes Wessels sowie Grußworten der Partneruniversitäten Osnabrück und Nijmegen setzten Prof. Dr. Anne Sliwka (Universität Heidelberg) und Dr. Stefan Luther (BMBFSFJ) mit ihren Vorträgen zur systemischen Potenzialentwicklung und zur Potenzialförderung im kooperativen Föderalismus programmatische Akzente. Sliwkas zentrale Botschaft: Erfolgreiche Bildungssysteme denken Begabungsförderung nicht als exklusives Zusatzprogramm, sondern als integralen Bestandteil schulischer Qualitätsentwicklung. Potenzialentwicklung wird dort als Aufgabe professioneller Teams verstanden – gestützt durch: frühe Diagnostik, adaptive und flexible Förderstrukturen, datenbasierte Schulentwicklung und nachhaltige Teamarbeit – das Fundament für eine Potenzialentwicklung „für viele statt für wenige“. Ein Ansatz, der die Arbeit von LemaS ebenso prägt wie die strategische Ausrichtung des ICBF. Luther bekräftigte den Wert einer vertrauensvollen und langfristig angelegten Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Wissenschaft und Praxis und betonte, dass LemaS eindrucksvoll zeige, wie gemeinsam tragfähige Strategien zur Schul- und Unterrichtsentwicklung ausgearbeitet werden, die anschließend wirksam in die Breite getragen und langfristig in der Schullandschaft verankert werden können.

Von Deeper Learning bis KI – Zukunftsthemen im Dialog

Der zweite Veranstaltungstag öffnete den Blick nach vorn. Diskutiert wurden unter anderem:

In Workshops, Vorträgen und Vernetzungsformaten wurde spürbar, wie stark die Themen von einer gemeinsamen Haltung abhängen: Potenziale sind vielfältig, kontextabhängig und entwickelbar. Sie erfordern diagnostische Sensibilität, professionelle Zusammenarbeit und strukturelle Unterstützung. In vielen Beiträgen wurde explizit auf LemaS Bezug genommen – nicht als Projektlabel, sondern als dynamisches Entwicklungsnetzwerk mit hoher Relevanz für die schulische Praxis und für bildungspolitische Strategien.

25 Jahre – und kein Abschluss, sondern ein Auftrag

Das Jubiläum war damit weniger Rückschau als Standortbestimmung – und eine Einladung, die nächsten 25 Jahre gemeinsam zu gestalten. Denn das ICBF versteht seine Arbeit nicht als Projektabfolge, sondern als langfristiges Engagement für eine stärkenorientierte, inklusive und gerechte Bildungslandschaft. Gerade für Lehrkräfte und Schulleitungen wurde deutlich: Potenzialförderung ist kein exklusives Spezialthema, sondern ein Qualitätsmerkmal zeitgemäßer Schulentwicklung. Und für Wissenschaft und Bildungspolitik zeigte sich einmal mehr: Nachhaltige Reformprozesse brauchen belastbare Netzwerke, langfristige Kooperationen und eine klare gemeinsame Vision.

25 Jahre ICBF stehen somit für Kontinuität und Innovation zugleich – und für die Überzeugung, dass gute Bildung dort entsteht, wo Wissenschaft, Praxis und Politik gemeinsam Verantwortung für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Bildungssystems übernehmen.